KAB Diözesanverband Limburg

Aktuelles

Der Juli-Impuls: Der Corona-Sommer

von Sebastian Alt, E-Mail S.Alt@kab.bistumlimburg.de

- Seit Monaten müssen sich Bürger*innen einschränken. Durch die Corona-Pandemie mussten Abstände eingehalten, soziale Kontakte reduziert, sportliche und kulturelle Veranstaltungen abgesagt werden. Neben diesen Einschränkungen gab und gibt es eine Angst vor wirtschaftlichen Folgen und einem Wiederanstieg der Ansteckungen. In diesen letzten Monaten waren es insbesondere die Arbeitnehmer*innen des Handels, die sich nicht nur einem stärkeren Risiko der Ansteckung aussetzen mussten (und dies nach wie vor müssen), sondern die unter erschwerten Bedingungen arbeiten.

Die neuen Hygienevorschriften machen den Alltag zwar sicherer, aber nicht leichter. Hinzukommen entnervte Kund*innen, die immer gereizter reagierten und die belastende Situation noch weiter zu erschweren. Doch waren es nicht nur die Hygienevorschriften und die angespannte Situation, die den Arbeitnehmer*innen zusetzten. Statt den Mitarbeiter*innen ihr Recht auf einen freien Sonntag zu garantieren, erlaubten die Länder die sonntägliche Öffnung einer Vielzahl von Unternehmen. Zwar nutzten viele Einzelhandelsgeschäfte diese Möglichkeit nicht- auch unter Berücksichtigung Ihrer Angestellten- doch andere machten den Sonntag zum Werktag und ließen ihren Mitarbeiter*innen damit nicht einmal einen Tag zum Verschnaufen.

Wirtschaftliche Interessen schienen über denen der Arbeitnehmer*innen zu stehen, die Politik wollte dem Handel entgegenkommen und bezahlten dies mit der Preisegabe des Sonntagsschutzes. Als letztes Land hat Hessen am 18.06. verkündet, dass die sonntäglichen Ladenöffnungen nun nicht mehr möglich sein sollten- dies höchstwahrscheinlich auch nur unter dem Eindruck einer Klage der hessischen Sonntagsallianz. Der Sonntag wird nun –zunächst- wieder ein freier Tag sein, doch bleibt er weiterhin gefährdet. Sollte es zu einer neuen Pandemie-Welle kommen, so ist davon auszugehen, dass Bund und Länder die Interessen der Wirtschaft vor die Interessen der Bürger*innen stellen und den Sonntag wieder einmal zum Werktag erklären wollen.

Trotz der Rücknahme diverser Regelungen ist Corona nicht einfach vorüber- deswegen muss man wachsam bleiben. Der Sonntag darf nicht geopfert werden für eine vermeintliche Umsatzsteigerung von krisengebeutelten Unternehmen- eine Annahme, die an für sich bereits fragwürdig ist.

Hessischer Verwaltungsgerichtshof entscheidet gegen Sonn- und Feiertagsarbeit

KAB zeigt sich erfreut

Autor: Sebastian Alt (Kontakt und Information: S.Alt@kab.bistumlimburg.de )

- Mit seinem gestrigen Urteil entschied der VGH Kassel, dass die in der Bedarfsgewerberverordnung enthaltenen Ausnahmeregelungen für Brauereien, Getränkegroßhandel und Eisherstellung unzulässig sind. Somit wird die Sonn- und Feiertagsarbeit in diesen Betrieben untersagt. Das Gericht folgte damit der Klage der evangelischen Dekanate Darmstadt und Vorderer Odenwald, die im Auftrag der Allianz für den freien Sonntag gegen diese Regelung vorgingen.

Die bisherige Ausnahmeregelung erlaubte die Arbeit an Sonn- und Feiertagen, wenn die Arbeiten nicht unter der Werkwoche durchgeführt werden könnten. Die Mitglieder der Allianz sprachen sich erfolgreich gegen diese Begründung der Verordnung aus. Der Leipziger Anwalt Friedrich Kühn stellte fest, dass in all den oben genannten Betrieben keine Produktion an den Sonn-und Feiertagen notwendig ist, da diese im Rahmen der normalen werktäglichen Arbeitszeit geleistet werden kann. Das Gericht lehnte damit nicht nur eine sinnlose Regelung ab, sondern bestätigt wieder die Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags. Brauereien, Eishersteller und deren Großhandel produzieren Güter, die nicht am selben Tag konsumiert werden müssen, sondern lange haltbar sind.

Die bisherige Bedarfsgewerbeverordnung scheint dies nicht berücksichtigt zu haben. Auch in vergangenen Urteilen bestärkte die Justiz die Anliegen der Allianz für den freien Sonntag: So entschieden das Bundesverwaltungsgericht 2014 und zuvor das VGH Kassel 2013 gegen eine sonntägliche Beschäftigung von Arbeitnehmer*innen in Videotheken, Callcentern und anderen Dienstleistungsunternehmen.

Natürlich begrüßt die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Diözesanverband Limburg, dieses Urteil. "Als Mitglied der Allianz engagieren wir uns für den Sonntagsschutz und die freie Zeit der Arbeitnehmer*innen", erläutert Sebastian Alt, Projektreferent Sonntagskultur und Sonntagsarbeit des KAB Diözesanverbandes Limburg. "Doch trotz des positiven Urteils gibt es immer noch Betriebe, die den Sonntag unterwandern" beklagt Alt, "obwohl die Notwendigkeit der Arbeit an diesem Tag zumindest fragwürdig ist."

KAB und Allianz müssen weiterhin aufmerksam sein, damit die freie Zeit der Arbeitnehmer*innen nicht für wirtschaftliche Interessen oder selbstverschuldete Engpässe der Unternehmen geopfert wird.

Der Juni-Impuls: Corona und die Kinder

Der Juni- Impuls -von Sebastian Alt (Foto), Referent für Sonntagsschutz und Sonntagskultur des KAB-Diözesanverbandes Limburg www.kab-limburg.de

Viele gesellschaftliche Gruppen haben besondere gewidmete Tage. Eine Gruppe hat sogar zwei: Kinder. Der Weltkindertag wird am 20.09. begangen. Er entstand aus dem Wunsch auf die Rechte von Kindern aufmerksam zu machen, doch wurde er recht lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt. Anders sah dies beim 1. Juni aus, der 1950 in der DDR als Kindertag etabliert wurde.

Doch wie sieht die Situation der Kinder an diesem 1.Juni aus? Die Corona-Krise betrifft auch die Jüngsten unserer Gesellschaft- vor allem weil die Schulen und Kitas noch weit vom Normalbetrieb entfernt sind und letzten Endes der Bildungsprozess stark belastet wird. Hierzulande gibt es keine gleichen Bildungschancen und die Unterschiede wurden in der Corona-Zeit nur stärker.

Das Homeschooling, welches in den letzten Wochen durchgeführt wurde, stellt zudem eine große Belastung für die Eltern dar. Die Krise zeigte, dass sich in vielen Fällen Familie und Beruf nicht ohne weiteres vereinbaren lassen und führte häufig zu einer für Kinder stressigen Atmosphäre. Auch wurde der geregelte Wochenablauf von Schule und Freizeit gestört. Irgendwann wird der schulische Alltag hoffentlich wieder einziehen, doch was nehmen wir aus dieser Krise mit?

Es zeigt sich, dass Kinder nicht im Homeschooling verbleiben können ohne dass sie vereinsamen und ihnen wichtige soziale Kontakte fehlen. Es zeigt sich, dass es gravierende Chancenungleichheiten im Bildungsprozess gibt. Es zeigt sich, dass einige familiäre Situationen auf einen geregelten Wochenablauf angewiesen sind, in der eine schulisch geprägte Werkwoche und ein familiär geprägtes Wochenende enthalten sind. Letzteres benötigt auch eine geschützte Zeit, die wirklich frei von Arbeit ist.

Die Corona-Krise nahm Kindern diese geregelte, für das Heranreifen notwendige Ordnung. Hoffen wir, dass sie zurückkommt und dass es auch für Politik und Wirtschaft offensichtlich wird, dass es eine klare Einteilung von Arbeit und Freizeit, Schule, Beruf und Familie geben sollte, die nur dann stattfinden kann, wenn es für alle Lebensaspekte Zeit gibt. Aus diesem Grunde ist es nicht nur geboten für gleiche Chancen in der Bildung und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzustehen, sondern es muss auch dafür gekämpft werden, dass Eltern und Kinder, Arbeitnehmer*innen und Schüler*innen wirkliche geschützte verfügbare Zeit haben- das Wochenende.

Solidarität in Zeiten von Corona! KAB gegen Ladenöffnung an Sonntagen und gegen Maßnahmen der Arbeitgeber*innen

(auf dem Foto: Sebastian Alt, KAB-Projektreferent Sonntagskultur)

Frankfurt/Limburg. Mit der neuen hessischen Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus wurde die sonntägliche Öffnung von Einzelhandelsgeschäften erlaubt. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Diözesanverband Limburg weist darauf hin, dass zeitgleich Arbeitnehmer*innen in Kurzarbeit müssen oder in bezahlten, aber auch unbezahlten Urlaub geschickt werden.

Die von dem Virus ausgelöste Krise werde vor allem die Arbeitnehmer*innen im Einzelhandel treffen. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Mit diesen Worten wandte die Bundeskanzlerin sich an die deutsche Bevölkerung. Das neu aufkommende Virus werde für unsere Gesellschaft eine Herausforderung, die nicht mehr ignoriert werden kann. Doch die von der hessischen Regierung verordnete Ladenöffnung und die vielen Maßnahmen der Arbeitgeber*innen, die Personalkosten zu reduzieren, können sich als kontraproduktiv herausstellen.

Sebastian Alt, Projektreferent für Sonntagskultur – Schutz des freien Sonntags“ beim KAB-Diözesanverband Limburg“ stellt fest: „Während viele Mitarbeiter*innen von zuhause aus arbeiten können, ist dies für Kassierer*innen und andere Arbeitnehmer*innen mit Kundenkontakt nicht möglich. Für diese Gruppe stellt die momentane Situation eine gewaltige und belastende Herausforderung dar“. Umso wichtiger sei es, dass wir als Gesellschaft solidarisch sind, gerade weil die Mitarbeiter*innen im Einzelhandel die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. „Die Mitarbeiter*innen im Handel benötigen einen geschützten Tag in der Woche. Auch sie brauchen Regeneration und Zeit für ihre Familien, die nun wichtiger ist als denn je“, so Alt.

„Darüber hinaus versuchen diverse Unternehmen die Krise zu überstehen, indem sie ihre Personalkosten reduzieren“, so Sebastian Alt weiter. Mitarbeiter*innen würden in Kurzarbeit beschäftigt oder gar in unbezahlten Urlaub geschickt. „Doch dieser Ansatz wird nicht nur Probleme für die Betroffenen hervorrufen, sondern wird die kommende wirtschaftliche Rezession nur verschlimmern“ resümiert Sebastian Alt. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Diözesanverband Limburg, appelliert: „Die jetzige Situation ist eine Herausforderung, die unsere gesellschaftliche Solidarität auf die Probe stellt. Es ist weder die Zeit für Hamsterkäufe seitens der Kund*innen, noch ist die Zeit für gekürzte Gehälter oder überbordende Belastung der Mitarbeiter*innen“. Es sei die Zeit, in der wir Rücksicht auf andere üben müssen. „Tuen wir dies nicht“, mahnt Projektreferent Sebastian Alt, „dann wird uns der Virus sehr hart treffen- nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Unternehmen“. Aus diesem Grund bräuchten Mitarbeiter*innen volles Gehalt- auch in einer Zeit in der sie nicht voll arbeiten können. Aus diesem Grund bräuchten Mitarbeiter*innen eine Phase der Regeneration- auch in einer Zeit, in der ihre Dienste umso wichtiger sind.

„Unternehmen, Konsumenten und Regierung sind gefragt“, macht die KAB aufmerksam. „Die Bekämpfung des Virus darf nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer*innen ausgetragen werden. Die ist nicht nur ein Gebot der Moral, sondern auch ein Gebot der Vernunft“

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